Die Regeln des US-amerikanischen Marktes

Teil 1: 7 Mrd. USD Buße für eine Bank

(ros) Ziel dieses Aufsatzes in drei Teilen ist, am Beispiel des Fehlverhaltens einer großen US Tochtergesellschaft mit deutschen Wurzeln zu demonstrieren, wie die Regeln des amerikanischen Marktes durchgesetzt werden, um den Leser in die Lage versetzen, die Vor- und Nachteile des größten Finanzmarktes der Welt für seine eigene Anlagepolitik einzuschätzen. Dazu nehmen wir das „STATEMENT OF FACTS“, herausgegeben im Januar 2017 vom amerikanischen Justizdepartment.

Das Fehlverhalten, welches mit einer Buße von USD 7 Mrd. gebüßt wurde, bestand darin, in zwei Jahren, 2006 und 2007, 100 Milliarden Dollars an gebündelten Hypothekarkrediten (RMBS) an institutionelle Anleger, die es besser hätten wissen müssen, verkauft zu haben, während die Bank wusste, dass die Kreditstandards der ursprünglichen Kreditgeber zu lax waren. In dieser Lage und mit diesem Wissen hat sie ihre Verkaufsanstrengungen noch erhöht und die Investoren belogen, um die Papiere loszuwerden.

Die Bank ist nicht einfach in die fatale Situation hineingeschlittert, sondern hat in bester Qualität eine Kreditanalyse durchgeführt. Sind die Kredite nach ordentlichen Kriterien vergeben worden? (Nein). Wurden die Gesetze und Vorschriften bei der Kreditvergabe und Bündelung eingehalten? (Nein). Können die Schuldner ihre Hypotheken überhaupt zurückzahlen? (Nein). Stimmen die Angaben der ursprünglichen Kreditgeber über die Schuldnerqualität? (Nein). Stimmen die Angaben über die Qualität der beliehenen Immobilien? (Nein). In einigen Prospekten fehlten entscheidende Risikohinweise, weil diese bewusst unterdrückt wurden. Das hat die Bank in den USA im Jahr 2017 schriftlich zugegeben. Mit diesem Verhalten war sie keine Ausnahme. Man verschwieg den Investoren, dass viele der gebündelten Kredite von Anfang an kritisch waren.

Wie gefährlich das ist, hätte man auch in Europa wissen können, denn in den USA kann der Schuldner sein Haus einfach aufgeben. Man legt den Schlüssel in einen Umschlag, wirft ihn der Bank ein und geht schuldenfrei von dannen. Die Bank muss das Haus verkaufen und bleibt auf dem Verlust sitzen. Die Amerikaner kennen die Begriffe Jingle Mail (der Schlüssel rasselt im Umschlag) und non-recourse, keine private Verpflichtung, falls der Immobilienkredit nicht bedient wird.  In dieser Logik war es nachvollziehbar, dass sie diese Kredite so rasch wie möglich von den Büchern haben wollte. Aber die Tochtergesellschaft ging zu weit. Die Bank hat öffentlich zugegeben, die schlechte Qualität des Basiskreditportfolios nicht offengelegt zu haben und hat dadurch die Käufer so getäuscht, dass sie nicht in der Lage waren, eine rationale Entscheidung zu treffen. Hier zeigt sich eine amerikanische Eigenheit. Der Markt ist freier als in Europa, aber wenn es einen Verstoß gibt und wenn dieser geahndet wird, ist die Sanktion unerbittlich. Man spürt förmlich die Erbitterung der Staatsanwaltschaft, dass auch amerikanische Käufer Milliarden verloren haben.

 

Den nächsten Teil finden Sie im kommenden Newsletter am 2. Oktober 2017.

(Der Autor ist seit über 30 Jahren Anlageberater, Bankmanager und Vermögensverwalter.)