Die Regeln des US-amerikanischen Marktes

Teil 3: Amerikanische Sprache und Denkart

Ist dieses System das Beste? Ist es fair? Die Amerikaner denken, dass sie das beste Justizsystem der Welt haben und nur darauf kommt es an. Wer sich im amerikanischen Markt bewegen will, einem einzigartigen, unendliche Chancen bietenden freien Markt, muss die Besonderheiten in Kauf nehmen, sich anpassen und sich buchstabengetreu verhalten. Man muss das Spielfeld und die Regeln des Spiels akzeptieren, wenn man mitspielen will – the court is the court. Dem Markt ganz fernzubleiben ist für einen Anleger nur schon wegen dem Dollar nicht sinnvoll.

Die weltweite Dominanz der englischen Sprache tut ein Übriges. Heutzutage gibt es viele Fachbegriffe nur noch auf Englisch. Beispiele gefällig? Bitte übersetzen Sie compliance officer, spread, PIP, governance und franchise auf Deutsch und erklären Sie, was sub-prime von alt-prime unterscheidet. Die amerikanische Geschäftssprache ist euphemistisch. Schlechte Qualität heißt high yield, dem Computer die Entscheidung überlassen heißt high frequency trading, NASDAQ steht für schwach regulierte Börse (nicht für „die Technologie-Börse“, wie der Deutschlandfunk einmal täglich behauptet), mid-cap sind keine mittelständischen Betriebe, sondern Gesellschaften mit über einer Milliarde Dollar Börsenwert.

Wie die Sprache, so das Geschäft. Man muss die amerikanische Gedankenwelt verstehen und bejahen können, bevor man in den USA investiert. Am Einfachsten lässt sich dies über den Kauf von US-Aktien bewerkstelligen. Die Gewinnchancen sind im amerikanischen Markt weiterhin sehr beträchtlich, wenn auch aktuell die Bewertungen der US-Aktien relativ teuer erscheinen. Unsere Empfehlung lautet, trotz der Unterschiede zu Europa und der spezifisch amerikanischen Risiken, den amerikanischen Markt in allen Portfolien angemessen zu berücksichtigen.

(Der Autor ist seit über 30 Jahren Anlageberater, Bankmanager und Vermögensverwalter.)