Ein Blick nach USA: keine Rezession.

Während bei uns alles auf den DAX schaut, ein enger Index, der sich seiner Bekanntheit wegen gut für Presseschnipsel eignet, lohnt sich ein Blick nach Amerika, um eine breitere Perspektive zu gewinnen. Amerika ist nicht in einer Rezession.

Der Aktienmarkt ist durch Unsicherheit mit hoher Volatilität geprägt. Geschäftsinvestitionen, besonders im Energie-Bereich, sind rückläufig, die Exporte schwächeln, Warenlager werden abgebaut, die Industrieproduktion ist rückläufig und der tertiäre Sektor nur noch leicht positiv. Das Börsenklima ist auch in Amerika negativ.

Aber: Der Immobilienmarkt ist fest, die Löhne steigen und die Konsumenten sind zuversichtlich. Dementsprechend gut laufen Autos. Insgesamt kann in den USA auch für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von ca. +2.5 % gerechnet werden. Vielleicht, nein wahrscheinlich, sind die schlechten Meldungen in den aktuellen Kursen schon enthalten.

Der Markt ist aber nicht billig. Er hat in den letzten 12 Monaten ca. 6,7 % abgegeben, doch stehen die P/E-Ratios noch immer um die 17. Das sind keine Ausverkaufspreise. Was dennoch positiv stimmt, ist der hohe Anteil an Leerverkäufen. Seit Jahresanfang gibt es auch Gewinner. So haben die Versorger, nicht überraschend bei dem tiefen Ölpreis, ca. 8 % zugelegt und auch die Trucker profitierten mit + 2 %. Auf der Verliererseite sind die Rückschläge ausgeprägter: Biotech – 23 %, Öl- und Gasfelder – 20 %, Hausbau – 18 %, Internetfirmen – 17 % und Autozulieferer – 17 %. Die Aktien von Grossbanken wie Morgan Stanley (gestern – 9.6 %) oder Goldman Sachs (gestern – 4.6 %) sind stark unter Druck. Tagesverluste in dieser Größenordnung sind ungewöhnlich. Angst ist immer ein schlechter Ratgeber.

Zusammenfassend ist der Aktienmarkt seit einem Jahr rückläufig. Angesichts einer Dividendenrendite von rund 2,6 % haben US Aktien über alles gesehen etwas über 4 % verloren. Die Baisse kann noch weitergehen, doch ist die Lage weniger dramatisch, als die Schlagzeilen dieser Tage wirken. Kann, was wir für die USA feststellen, in Europa wesentlich anders sein?

Wie immer weisen wir darauf hin, dass dies ein Blogbeitrag ist. Ein Blog gibt die Tagesmeinung wieder und stellt keine Empfehlung dar.

Der um Dividenden bereinigte DAX-Kursindex hat sein Hoch aus dem Jahre 2000 erst im März 2015 wieder erreicht.

Mit seinem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von ca. 14 ist er jedoch noch deutlich niedriger bewertet als im Jahre 2000. Damals lag das KGV aller DAX-Aktien bei ca. 28, also doppelt so hoch wie heute.

Das durchschnittliche KGV des Dax der letzten 30 Jahre lag bei ca. 19; die durchschnittliche Dividendenrendite beträgt 2,9 %. Diese Rendite ist aus aktueller Sicht sehr attraktiv.

Zum Vergleich: Wer heute in eine 10-jährige Bundesanleihe investiert, erhält eine Rendite von ca. 0,20 % Rendite p.a., auf 10 Jahre hochgerechnet insgesamt also nur 2,0 %.

Allein die Allianz schüttet das Doppelte dieser Rendite jährlich als Dividende aus.

Diese folgenden Zahlen belegen, dass der deutsche Aktienindex DAX selbst bei einem Indexstand von 12.000 Punkten attraktiv bewertet ist.

Einige weitere Beispiele:

Unternehmen

HV am

Dividende 2014 in Euro

Dividenden-Prognose in Euro

Rendite (per 27.03.2015)

KGV (per 27.03.15)

Allianz

06.05.15

5,30

7,–

4,54 %

11,7

BASF

30.04.15

2,70

2,80

3,26 %

16,3

Munich Re

23.04.15

7,25

7,50

4,18 %

10,9

Deutsche Post

27.05.15

0,80

0,85

2,90 %

17,1

Dax-KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis im Dax)

(Quelle: http://www.boerse.de/dax-kgv/)

März 2015
W. Zimpel