Renten-& Zinsstrategie: Hybridanleihen – Teil 4: Zusammenfassung und aktuelle Einschätzung

Die Vereinigung von Eigen- und Fremdkapitalmerkmalen macht Hybridanleihen für den Emittenten und den Anleger zu einem attraktiven Finanzinstrument. Im vierten Teil meines Blogs gehe ich darauf ein, welche Vorteile Hybridanleihen dem Emittenten durch diese Zwischenstellung bieten können.

Vorteile für den Emittenten

Hybridanleihen vereinen Merkmale von Eigen- und Fremdkapital. Durch die Eigenkapitalmerkmale der Nachrangigkeit und der unbestimmten Laufzeit können Hybridanleihen zum Eigenkapital im Sinne der Ratingagenturen und Bankenaufsicht zählen. Dadurch können diese Finanzinstrumente dem Emittenten unter anderem eine Verbesserung des Ratings ermöglichen. Da Hybridanleihen durch den Emittenten gekündigt werden können, ermöglichen sie die Überbrückung eines zeitlich begrenzten Eigenkapitalbedarfs. Durch ein geringeres Risiko sowie eine steuerliche Behandlung als Fremdkapital besteht zudem ein Renditevorteil im Vergleich zu den Kapitalanteilen der Gesellschafter.

Abbildung: Die Eigen- und Fremdkapitalmerkmale von Hybridanleihen

Vorteile für den Anleger

Dem Anleger ermöglichen Hybridanleihen im Vergleich zu Senior-Darlehen oder Senior-Anleihen eine höhere Rendite. Hybridanleihen haben zwar eine sehr lange oder unbestimmte Laufzeit, werden jedoch in der Regel nach der Kündigung durch den Emittenten vorzeitig zurückgezahlt. Die Kündigungswahrscheinlichkeit wird von bestimmten Anreizen beeinflusst. Zuletzt hat insbesondere der Wegfall der Eigenkapitalanrechnung zu einer erhöhten Kündigungswahrscheinlichkeit geführt, da Ratingagenturen, Banken und Bankenaufsicht seit der Finanz- bzw. Wirtschaftskrise strengere Anforderungen an die Hinzurechnung zum Eigenkapital stellen. Die daraufhin erhöhte Kündigungswahrscheinlichkeit hat zu einer wachsenden Nachfrage nach Hybridanleihen und damit zu steigenden Kursen geführt.

So ist meine aktuelle Einschätzung von Hybridanleihen

Die Renditen von Hybridanleihen sind in den letzten Jahren durch die Kursanstiege zurückgegangen. Dennoch zähle ich Hybridanleihen mit Renditen zwischen 3 und 4% zu den spannendsten Renteninvestments. Anleger können direkt in einzelne Hybridanleihen investieren. In dem breiten Angebot an Hybridanleihen gibt es auch viele, die Privatanlegern aufgrund ihrer geringen Mindeststückelung einen Zugang zu diesem Anleihesegment ermöglichen. Allerdings ist es nach meiner Meinung für Privatanleger ohne Hilfe schwierig die Chance-Risiko-Relation von Hybridanleihen zu beurteilen, weil diese zum Teil eine durchaus komplexe Ausgestaltung – die Anleihebedingungen umfassen nicht selten mehrere hundert Seiten – aufweisen können und zudem eine Markteinschätzung erforderlich ist. Eine Abhilfe können beispielsweise Fonds bieten, da hier der Fondsmanager die Titelselektion übernimmt. Es gibt also viele Möglichkeiten für eine Anlage in dem spannenden Rentensegment Hybridanleihen.

Autor: Dr. Peter Porten