Mit Anleihen Rendite erzielen – wie geht das heute?

Jahrzehntelang ließ sich mit Bundesschatzbriefen und Bundesanleihen eine sehr sichere Rendite erzielen.

Inzwischen aber hat die EZB negative Einlagenzinsen eingeführt! Bundesanleihen mit Laufzeiten von bis zu 5 Jahren rentieren mit einer Negativrendite.

Käufer dieser Bundeswertpapiere erleiden entsprechend nominal voraussehbar einen Verlust, d.h. sie erhalten inklusive Zinsen weniger zurück als sie einzahlen. Allein mit sehr lang laufenden Bundesanleihen ist noch eine leicht positive Rendite zu erzielen, allerdings müssen dafür entsprechende Laufzeitrisiken in Kauf genommen werden. Wie groß diese sind, mussten Anleger in den zurückliegenden Monaten erfahren.

Der weltweite Anstieg der Renditen langlaufender Staatsanleihen aufgrund gestiegener Inflationserwartungen führte von Mitte April bis Mitte Juni dieses Jahres zum Beispiel bei 10jährigen Bundesanleihen zu zwischenzeitlichen Kursverlusten von bis zu 9 %.

Wie sehen die Alternativen aus? Wie investiert ein Rentenfondsmanager in diesem schwierigen Umfeld?

Eine risikolose positive Rendite gibt es nicht mehr.

Wer heute eine positive Rendite erzielen will, muss auch bei Anleihen gewisse Risiken eingehen. Dazu ein Einblick in die aktuelle Anlagepolitik des Nordlux Renten: Die Basis bildet hier ein sehr breit gestreutes Portfolio von EUR- und USD-Unternehmensanleihen mit flexiblem Laufzeitenmanagement.

Die USD-Anleihen weisen dabei gegenüber vergleichbaren EUR-Anleihen einen Renditevorteil von bis zu über 100 Basispunkten p.a.  auf. Darüber hinaus werden Anleihen von Schwellenländern und ausgewählten Hochzinswährungen beigemischt, beispielsweise sogenannte Doppelwährungsanleihen supranationaler Emittenten in Brasilianischer Real (BRL) und Türkischer Lira (TRY), die auch für kurze Laufzeiten aktuell bereits Renditen von über 10 % p.a. bieten. Angesichts der Schwankungsanfälligkeit der Währungen werden die Währungsrisiken dabei zeitweise immer mal wieder abgesichert.

 

30.06.2015 Ludwig Schnieders

Zudem interessanter Artikel in der Süddeutschen Zeitung

Moderne Rentenfonds: dynamischer, kraftvoller und volatiler als früher

Die Art, wie man Rentenfonds heute führt, hat sich sehr verändert, denn wir befinden uns in einer langen Tiefzinsphase. Es wäre ein Fehler, die heutigen Rentenfonds gedanklich gleich einzustufen wie in der Vergangenheit, als die Zinskurve noch intakt war. Geld hat seinen Zeitwert vorübergehend verloren und die Portfoliomanager arbeiten mit neuen Methoden, die neue Schwankungsrisiken enthalten, ja enthalten müssen, um überhaupt noch eine Rendite zu erzielen.

Moderne Rentenfonds enthalten neue Risiken und Chancen

Es geht bei Rentenfonds immer um Zins- und Kreditrisiken, aber das System, welches die Anleger von früher kennen, als die Schuldner noch Zinsen zahlten, hat sich unter dem Druck der Verhältnisse verändert. Das neue Management ist dynamischer, kraftvoller als das Alte und geht bewusst neue Risiken ein. Ohne diese Risiken gäbe es keine Renditen mehr.

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Qualität

Beste bis gute Qualität der Anlagen ist der Normalfall, schlechtere Qualität mit höheren Zinsen wird als Spezialität angeboten.

Papiere mit guter Qualität werfen keine Zinsen ab. Papiere minderer Qualität müssen mitberücksichtigt werden. Portfoliomanagement muss mit Kreditanalyse einhergehen.

Volatilität

Lange Zinszyklen lassen das Zinsänderungsrisiko in den Hintergrund treten. Bei guter Qualität bleibt das Portfolio lange stabil. Es gilt als risikoarme, sichere Anlage.

Im heutigen Zinsumfeld sind Bonds verletzlich. Steigen die Zinsen, folgen hohe Kursrückschläge. Zudem ist mit kreditbedingten Ausfällen vermehrt zu rechnen.

Laufzeiten

Kurze Laufzeiten erhöhen die Sicherheit, lange Laufzeiten erhöhen die Erträge.

Kurze und mittlere Laufzeiten werfen keine Erträge ab. Lange Laufzeiten bringen noch Erträge, steigern aber das Risiko.

Zinsderivate

Derivate sind Teufelszeug.

Richtig eingesetzt wirken Derivate risikomindernd.

Kassahaltung

Kassahaltung gibt Flexibilität und Sicherheit.

Kassahaltung kostet Performance.

Fremdwährungen

Fremdwährungsanleihen werden in separaten Fremdwährungsfonds angeboten.

Fremdwährungs- und EUR Anleihen werden vermischt, um die Rentabilität zu steigern.

Absicherungsgeschäfte

Selten, allenfalls durch Verschiebungen der Laufzeitenstrukturen.

Täglich, manchmal stündlich. Durch Öffnen und Schliessen von Absicherungen auf Fremdwährungen und Zinsderivaten werden Chancen gezielt ausgenützt, um die fehlenden Zinserträge zu kompensieren.

Was bedeutet das für Anleger

Anleger dürfen nicht mehr darauf vertrauen, dass Staaten, bzw. ihre Regierungen, die Garantien ihrer Vorgänger einhalten. Griechenland wie Österreich (Bundesland Kärnten) sind Beispiele einseitiger Kapitalvernichtung zulasten der Gläubiger. Diese Beispiele könnten Schule machen. Alle diejenigen Länder, die über ihre Verhältnisse gelebt und Kredite nicht für Investitionen, sondern für Konsum eingesetzt haben, sind dafür anfällig. Die guten europäischen Staatsschuldner wie Deutschland, die Schweiz und Luxemburg brauchen inzwischen selbst für mehrjährige Anleihen überhaupt keine Zinsen mehr bezahlen, vielmehr müssen die Anleger ein Aufgeld für die Sicherheit bezahlen. Selbst weitaus schwächere Länder weisen inzwischen Negativzinsen auf.

Wenn Staatsanleihen nicht mehr unbesehen gehalten werden können, so gilt das Gleiche noch ausgeprägter für Rentenfonds. Es gibt keine Renditen für umsonst. Rentenfonds, die in der Tiefzinsphase Renditen erwirtschaften wollen, müssen Risiken eingehen. Wenn sie keine Risiken eingehen wollen oder können, weil ihnen das Rüstzeug fehlt, sollten sie sich selbst abwickeln. Der Fondsanleger muss daher wählerischer werden. Er muss auch sein Anlagespektrum erweitern. Galten Aktien früher als riskanter als Renten, so ist es heute eher eine Frage der richtigen Balance. Aktien, Fremdwährungen, alternative Anlagen und Kredite gehören in jedes Portfolio, solange die Tiefzinsphase anhält und Rentenfonds müssen als Anlage mit inhärenten Risiken verstanden werden.

März/April 2015
H. Rosenbaum