Aktienanlage bleibt interessant und bietet viele Chancen:

Opportunitäten allenthalben – Wie der neue ESG-Aktienfonds sein erstes Jahr überstanden hat“

Das vergangene Jahr war gezeichnet von Turbulenzen an den Aktienmärkten, wie wir sie in Ausmaß und Geschwindigkeit noch nicht erlebt haben. Kurseinbrüche der Aktienindizes von minus 40 % (DAX) oder minus 35 % (MSCI World) innerhalb weniger Tage zeigten, wie tiefgreifend die Angst vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19 Pandemie war, sobald sie das vermeintliche Ursprungsland China verlassen hatte und sich weltweit exponentiell ausbreitete.

Für Deutschland ging es nach den ersten Monaten des Lockdowns und der Zusage von Milliardenhilfen im Sommer immer mehr zurück zu einem Zustand, der der Normalität sehr nahekam – das öffentliche Leben nahm wieder Fahrt auf. Dies galt jedoch bei weitem nicht für alle EU-Mitgliedsstaaten oder gar die ganze Welt: Deutschland fand deutlich schneller als andere (z.B. Irland, Italien) den Weg in Richtung Normalzustand.

Auch an den Aktienmärkten weltweit machte sich zur Jahresmitte hin spürbare Erleichterung breit, was sich in deutlichen Kurszuwächsen der breiten Indizes bemerkbar machte. Befeuert wurde diese positive Tendenz im Herbst dann durch erste Teilerfolgsmeldungen aus der Impfstoff-Forschung.

Interessanterweise berührten die Maßnahmen des neuerlichen Lockdowns zum Jahresende 2020 die Aktienkurse dann nur noch minimal. Nachdem sich zum Beispiel der DAX wieder nahe an sein Allzeithoch herangearbeitet und der amerikanische NASDAQ 100 sogar ein neues Allzeithoch erreichte hatte, waren zwar kleinere Korrekturen erkennbar, die allerdings im Vergleich zum Frühjahr kaum spürbar erschienen. Offensichtlich überwogen die Hoffnungen auf einen baldigen Impfbeginn und die daran geknüpften Erwartungen einer sukzessiven konjunkturellen Erholung in 2021.

Spannend ist dieser Fakt schon deshalb, da sich an der wirtschaftlichen Ausgangslage nicht viel geändert hat. Hilfspakete sowohl der Regierungen als auch der Zentralbanken bestehen weiter und wurden teilweise aufgestockt (EZB: 750 Mrd. € + 500 Mrd. €). Unternehmen haben weiterhin einen Großteil ihrer Arbeitnehmer in Kurzarbeit, für die die Regelungen vorübergehend bis Ende 2021 gelockert wurden um Firmen den Zugang zu erleichtern. Und Ausgleichszahlungen werden, wenn auch schleppend, genehmigt und ausgezahlt. Ebenfalls galt bis 31.12.2020 das „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Corona-Pandemie im Insolvenzrecht“, welches dazu führte, das Unternehmen, welche überschuldet aber nicht zahlungsunfähig waren, keinen Insolvenzantrag stellen mussten. Die Inanspruchnahme von Hilfsgeldern des Staates, Ausgabe von Anleihen zur Refinanzierung am Kapitalmarkt oder neue Kredite über die Hausbanken stellten also weiterhin die Liquidität sicher und verhinderten eine Insolvenz; der Faktor Überschuldung wurde also fast gänzlich ausgeblendet.

Dies führt zu einer Überlegung, welche wir im Kreise der Kollegen immer wieder intensiv diskutieren und das nicht erst im Zuge der neuerlichen Lockdown-Maßnahmen, sondern schon seit Frühsommer:

Was passiert, wenn das Insolvenzrecht ab Januar 2021 wieder vollumfänglich greift?

Die Antworten auf diese Frage sind mannigfaltig und natürlich gäbe es auch dafür vorübergehende Lösungen. Nach dem aktuellen Wissens-Stand bleibt aber eine Antwort ganz klar: bei Banken schlummern eine ganze Menge Kredite von Unternehmen, die sich neue Schulden unter normalen Bedingungen wirtschaftlich vielleicht nicht hätten leisten können (oder sollen!). Folglich werden wir uns wohl in den nächsten ein bis zwei Jahren einer deutlich erhöhten Zahl von Insolvenzen gegenübersehen, die auch die Bankenwelt nicht vollkommen unbeschadet überstehen wird.

Um dem Titel des Artikels gerecht zu werden, möchten wir allerdings auch nicht schwarzmalen, denn es gab im vergangenen Jahr und gibt noch immer einige sehr lohnenswerte Opportunitäten, sofern man den Mut und die Zuversicht hatte, bei stark fallenden oder gefallenen Kursen einzusteigen.

So haben wir im Februar 2020 unseren ersten reinen nachhaltigen Aktienfonds, den „Nordlux ESG Aktien Global“, aufgelegt. Zugegebener Maßen hätten wir uns im Nachhinein auch ein ruhigeres erstes Jahr für den Fonds gewünscht, sind aber in der Rückschau trotzdem sehr zufrieden mit der Entwicklung.

Im Fonds, der generell auf einen langfristigen Anlagehorizont fokussiert, haben wir einige dieser Möglichkeiten genutzt und unserer Meinung nach übertrieben stark gefallene Titel in der Krise zugekauft oder aufgestockt. Die Auswahl der Aktien erfolgt hierbei nach einem klar fundamental und qualitativ geprägten Ansatz. Das bedeutet, dass sich das Fondsmanagement sowohl mit den Bilanzen der letzten Jahre auseinandersetzt, als auch Vertreter des Managements der potentiellen Investmentkandidaten trifft (aktuell natürlich leider nur online) und eventuell die eine oder andere unangenehme Frage zu Themen stellt, die im Unternehmen vielleicht nicht oder zumindest noch nicht ganz nach Plan laufen.

Somit können sich unsere Fondsmanager ein detaillierteres Bild davon machen, wohin das Unternehmen steuert und welchen Entwicklungsweg man via Investment begleiten möchte und welchen nicht. Nach diesem Prinzip werden auch die aktuellen Investments immer wieder geprüft, um frühzeitig einen eventuell notwendigen Exit zu erkennen.

Mit diesem Ansatz ist der Fonds zwar nicht unbeschadet durch die erste Hälfte des Jahres gekommen, hat aber doch spürbar weniger gelitten als die eingangs genannten Indizes DAX und MSCI World. Im weiteren Verlauf des Jahres 2020 konnte das Fondsmanagement den Verlust nicht nur wieder vollständig wettmachen, sondern sogar eine positive Performance ausweisen. Getragen wurde das Portfolio in der Krise durch einen sehr hohen Anteil von Health Care und Technologie-Titeln, welche sich sehr schnell von den anfänglichen Verlusten erholten und teils sogar zu neuen Höchstständen fanden. Im weiteren Verlauf des Jahres waren es dann die Kurse der „Old Economy“ welche nach Bekanntwerden der ersten Forschungserfolge bei Impfstoffen profitierten. Da viele dieser Unternehmen aber den hohen Standards unseres Nachhaltigkeitsansatzes (bei dem wir uns durch externes Knowhow seitens einer der führenden Rating-Gesellschaften für Nachhaltigkeitsinvestments beraten lassen) nicht genügen, profitierte der breite Aktienmarkt hiervon etwas mehr als der Fonds.

Unterm Strich hat der Fonds einen erfolgreichen Start gehabt und es hat sich gezeigt, dass unsere Wirtschaftlichkeitsanalyse gepaart mit den sehr strikten Ausschlusskriterien für Nachhaltigkeit der Unternehmen, zu einem positiven Ergebnis auf Marktniveau geführt hat.

Man muss also beim Investieren in punkto Nachhaltigkeit nicht zwingend zwischen gutem Gewissen und Rendite wählen. Beides lässt sich sehr wohl miteinander verknüpfen.

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