Die Regeln des US-amerikanischen Marktes – Sprache und Denkart

Ist dieses System das Beste? Ist es fair?  Die Amerikaner denken, dass sie das beste Justizsystem der Welt haben und nur darauf kommt es an. Wer sich im amerikanischen Markt bewegen will, einem einzigartigen, unendliche Chancen bietenden freien Markt, muss die Besonderheiten in Kauf nehmen, sie analysieren, sich anpassen, sich vorbereiten und sich buchstabengetreu verhalten. Man muss das Spielfeld und die Regeln des Spiels akzeptieren, wenn man mitspielen will – the court ist the court. Dem Markt ganz fernzubleiben ist für einen Anleger nur schon wegen dem Dollar nicht sinnvoll.

Die weltweite Dominanz der englischen Sprache tut ein Übriges. Heutzutage gibt es viele Fachbegriffe nur noch auf Englisch. Beispiele gefällig? Bitte übersetzen Sie compliance officer, spread, PIP, due diligence, governance, franchise auf Deutsch und erklären Sie, was sub-prime von alt-prime unterscheidet. Die amerikanische Geschäftssprache ist euphemistisch. Schlechte Qualität heißt high yield, dem Computer die Entscheidung überlassen heißt high frequency trading, NASDAQ steht für schwach regulierte Börse (nicht für „die Technologie-Börse“, wie der Deutschlandfunk einmal täglich behauptet), mid-cap sind keine mittelständischen Betriebe, sondern Gesellschaften mit über einer Milliarde Dollar Börsenwert. 

Wie die Sprache, so das Geschäft. Man muss die amerikanische Gedankenwelt verstehen und bejahen können, bevor man in den USA real investiert. Wesentlich einfacher lässt sich dies über den Kauf von US-Aktien bewerkstelligen. Die Gewinnchancen sind im amerikanischen Markt weiterhin sehr beträchtlich, wenn auch aktuell die Bewertungen der US-Aktien insgesamt relativ teuer erscheinen. Unsere Empfehlung lautet, trotz der Unterschiede und Risiken, den amerikanischen Markt in allen Portfolien angemessen zu berücksichtigen. Vor US-regulatorischen Risiken sind schließlich alle weltweiten Dienstleister und Produzenten nicht gefeit, wie nach

den Bankbeispielen zuletzt die Automobilindustrie zeigte.

(Der Autor ist seit über 30 Jahren Anlageberater, Bankmanager und Vermögensverwalter.)

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