Zinsen werden langsam wieder attraktiv

Nach mehrjähriger Null- bzw. Negativzinsphase haben die Anleihenmärkte die drastische Zinswende der Notenbanken bereits in einem hohen Maß vorweggenommen.

Für die USA erwarten die Marktteilnehmer noch einen weiteren Anstieg der Leitzinsen auf bis zu 4% im nächsten Jahr. Dies könnte dann aber bereits auch das Hoch im aktuellen Zinszyklus darstellen.

Davon ist die EZB hingegen noch weit entfernt, sie dürfte dieser Entwicklung wenn auch mit etwas Abstand aber folgen. Hier könnten die Leitzinsen im nächsten Jahr immerhin auch auf ein Niveau von über 2% steigen.

Die Anleihenmärkte haben diese Zinserwartungen bereits weitgehend eskomptiert (= in die Kurse eingepreist). Für die Kurse der bestehenden Anleihen bedeutete diese Anpassung bzw. Normalisierung der Renditeniveaus insbesondere bei länger laufenden Anleihen im ersten Halbjahr aber zunächst überwiegend zweistellige Rekordverluste. Besonders stark litten dabei die Kurse von Unternehmensanleihen, die infolge der sich abschwächenden Weltwirtschaft und der vielen Krisenherde zusätzliche Risikoabschläge zu verzeichnen hatten.

Inzwischen weisen selbst die als besonders sicher geltenden Bundesanleihen allesamt wieder positive Renditen auf. So liegt beispielsweise die Rendite einer 5-jährigen Bundesanleihe wieder über 1,2%, nachdem diese vor 6 Monaten noch negativ war. Noch extremer verlief die Entwicklung bei italienischen Staatsanleihen. Deren Rendite kletterte nahezu sprunghaft von unter 1% auf bis zu 3%(!) für 5jährige Papiere. Eine ähnliche Entwicklung verzeichneten auch US-Staatsanleihen, dort sind bereits wieder Renditen von über 3% erzielbar. 

Damit gewinnt die Rolle von Anleihen insgesamt in einem gemischten Portfolio wieder an Bedeutung. Dies gilt zum einen unter Renditeaspekten, zum anderen aber auch unter Risikogesichtspunkten. So dürften die Anleihen im Falle einer möglichen Rezession und daraus resultierendem nachlassenden Inflationsdruck eher wieder zu den Gewinnern zählen und damit in der Zukunft ihrer über viele Jahrzehnte gewohnten Rolle als Stabilisator im Portfolio wieder gerecht werden.

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