Anleihen und ihre Nachteile

An den Aktienbörsen in Deutschland und weltweit sind die Kurse in der zweiten Jahreshälfte 2018 eingebrochen. Die Gründe dafür sind Sorgen vor einer Rezession, der Handelskonflikt USA-China, steigende Zinsen in den USA und eine allgemeine Eintrübung der politischen Großwetterlage mit europäischer Schwäche. Hinzu kommen Brexit, Russisches Säbelrasseln und eine mit sich selbst beschäftigte amerikanische Führungsmacht. Die Jahresperformances der Kundendepots liegen daher mehrheitlich im Minus und je nach Aktienanteil teilweise auch tief im Minus.

Da scheint es naheliegend, vermehrt auf die scheinbar sichere Anlageklasse der Anleihen zu setzen.

Anleihen enthalten ein Versprechen, das Aktien nicht haben: Dass die Anleihe nach einer bestimmten Zeit zu 100 % zurückbezahlt wird. Wer eine Anleihe bei Kursen von 100 % oder darunter kauft und bis zum Ende der Laufzeit behält, sollte daher zumindest das eingesetzte Kapital plus den Zins sicher haben. Dennoch können auch Anleihen manche böse Überraschung bringen. Wir empfehlen daher, gerade in der aktuellen Phase, eine angemessene Aktienquote beizubehalten und bei Anleihen die Risiken nicht zu unterschätzen.

Die Risiken von Anleihen liegen in der Schuldner-Qualität, der Laufzeit, der Ausgestaltung, der Währung und der Liquidität sowie in ihrer Verletzlichkeit bei unerwartet steigenden Zinsen.

Schauen wir uns diese sechs Risiken kurz der Reihe nach an:

1. Schuldner-Qualität: verschlechtert sich die Qualität eines Schuldners während der Laufzeit einer Anleihe, sinkt deren Wert. Anleihen von besonders schlechter Qualität, die euphemistisch als Hochzinsanleihen bezeichnet werden, können bei ungünstigem Verlauf ihre gesamte Werthaltigkeit einbüßen. Gerade diejenigen Anleger, die Aktien wegen Sorge vor einer möglichen Rezession meiden, könnten dann, wenn eine Rezession kommt, Schwierigkeiten mit der Qualität der Schuldner bekommen. Aber wenn man aus diesem Grund nur auf beste Qualität setzt, erhält man als Anleger keine Zinsen.

2. Laufzeit: je kürzer die Laufzeit, umso geringer ist der Zins. Je nach Währung kann er bei kurzen bis mittleren Laufzeiten um die Null Prozent liegen. Verlängert man die Laufzeit, um die Rentabilität zu steigern, nimmt man mögliche zukünftige Schwierigkeiten in Kauf, denn niemand kann auf lange Frist voraussehen, wie sich ein Schuldner entwickeln wird.

3. Ausgestaltung der Anleihen: Je tiefer die Zinsen, je größer die Zurückhaltung der Anleger, umso kreativer werden die Emissionsprospekte. Emissionsprospekte sind unübersichtliche, lange juristische Dokumente. Als Faustregel gilt, dass attraktive Zinsen unweigerlich einen Pferdefuß im Emissionsprospekt haben. Diesen muss man erst mal finden und sich damit auseinandersetzen.

4. Währung: Selbstverständlich haben weiche Währungen bessere Nominalzinsen als Hartwährungen. Aber während der Laufzeit der Anleihe kann es leicht zu einer Abwertung der Währung kommen.

5. Liquidität: der heutige Anleihenmarkt ist nicht mehr so liquide, wie er mal war. Die Handelsabteilungen der Banken und ihre Ausstattung mit Eigenkapital werden kleiner, die aufsichtsrechtlichen Anforderungen erschweren den Handel und das führt zu weiten Handelsspannen zwischen Kaufs- und Verkaufspreisen, bzw. zu gar keinen vernünftigen Preisen, falls man unter Zeitdruck handeln möchte.

6. Unerwartet steigende Zinsen: einmal abgesehen von Spezialitäten wie Anleihen, deren Verzinsung an einen schwankenden Basiszins gebunden sind (diese Anleihen haben ihre eigenen Probleme) werden die Preise von festverzinslichen Anleihen mit längeren Laufzeiten infolge höherer Zinsen fallen. Man kann sie dennoch bis zum Verfall durchhalten, aber das kann sich lange hinziehen.

Schlussfolgerung für Anleger

Wir befinden uns in einer langen Tiefzinsphase mit unattraktiven Konditionen für Anleihen. Höhere Zinsen gibt es nur bei schlechterer Qualität oder sehr langer Haltedauer. Demgegenüber bieten Aktien eine zwar ungewisse, aber doch einigermaßen vorhersehbare Dividendenrendite. Aber die Aktienkurse sind unter Druck und könnten noch weiter sinken. Daher muss man die Risiken auf verschiedene Anlageklassen und Währungen verteilen und das Portfolio aktiv mit seinem Berater besprechen, bzw. die Verwaltung durch einen Vermögensverwaltungsvertrag in professionelle Hände legen. Das bietet zwar auch keinen sicheren Schutz vor Verlusten, wie das Jahr 2018 zeigte, dürfte sich aber langfristig besser auszahlen als eine einseitige Festlegung auf die vermeintliche Sicherheit von Anleihen.

Kennen Sie schon den „Warren Buffett“ von Europa?

Sein Name ist Baron Albert Frère, ein belgischer Investor, 92 Jahre alt und leider am 3. Dezember 2018 verstorben. Der für ihn typische Anlagestil erinnerte an den des US-Amerikaners Warren Buffett, beispielsweise investierte er ausschließlich in Unternehmen, die mit ihm als Anteilseigner klarkamen. Feindliche Übernahmen vermied er grundsätzlich.

Bereits als 14-Jähriger im Jahre 1940 fing der junge Albert im elterlichen Eisenwarenbetrieb an zu arbeiten. Frère war erst 17 Jahre alt, als der Vater verstirbt und er gezwungen wurde, den Betrieb gemeinsam mit seiner Mutter zu führen. Er galt als extrem sparsam – so kam es vor, dass er extrem wütend wurde, wenn in einem seiner Büros das Licht sinnlos brannte.

Zitat von Albert Frère:

„Wenn Sie denken, dass Sie die richtige Formel gefunden haben, behalten Sie sie für sich!“

Nach Kriegsende verkaufte der junge Unternehmer Schrott und Eisen an Betriebe vorerst nur in Belgien. Doch nach kurzer Zeit erweiterte er den Geschäftsbetrieb, exportierte Eisenwaren und Rohstoffe auch ins Ausland und reüssierte in den 70-er Jahren zum regionalen Stahlbaron. Als einer der Ersten erkannte Frère das Ende des Stahlbooms und verkaufte 1983 seine Beteiligungen an den belgischen Staat.

Mit dem Verkaufserlös startete Frère den Aufbau seines Imperiums. Heute wird sein Vermögen auf ca. 5,5 Mrd. USD geschätzt. Seine börsennotierte Investmentfirma „Groupe Bruxelles Lambert“ (GBL) ist nach der schwedischen Investor AB die zweitgrößte Beteiligungsgesellschaft Europas. Die GBL ist unter anderem an folgenden Unternehmen beteiligt*:

Burberry** 6,6 %
Adidas 7,5 %
LafargeHolcim 9,4 %
Pernot Ricard 7,5 %
Umicore 17 %
Total 0,6 %
GEA 7,3 % und andere

* Stand per 06.12.2018, Quelle: GBL, Wikipedia (Prozente sind gerundet)
** Verkauft in 2018, Gewinn rund 83 Mio. GBP

Im zweiten Teil unserer Serie „Beteiligungsgesellschaften“ stellen wir Ihnen die Investor AB der Familie Wallenberg vor.

Die Gesellschaft wurde vor mehr als 100 Jahren gegründet und die Aktie entwickelt sich langfristig (über 10 Jahre) deutlich besser als der schwedische und auch der deutsche Aktienmarkt. Hedgefonds und Pensionskassen sind von dem werthaltigen Anlagekonzept überzeugt.

Die Familie Wallenberg ist die wohlhabendste und einflussreichste Familiendynastie in Schweden. Nach Schätzungen kontrolliert sie rund 40 Prozent der Marktkapitalisierung der schwedischen Industrie. Die Wallenbergs halten 23 % des Grundkapitals und 50 % der Stimmrechte an der Investor AB, womit ihr Stimmrechtsanteil, wie übrigens bei vielen Beteiligungsunternehmen, deutlich größer ist als ihr Aktienanteil.

Da die Unternehmenspolitik der Familie auf langfristige und wachstumsorientierte Entwicklungen sowie stabile Arbeitsbeziehungen ausgerichtet ist, erfährt die Familie Wallenbergs seit Jahrzehnten Unterstützung von Arbeitnehmern und den (zumeist regierenden) schwedischen Sozialdemokraten. Die Wallenbergs haben eine eigene Stiftung mit dem Ziel: Förderung der Wissenschaft. Ein bedeutender Anteil der Stiftung dient der Finanzierung der Handelshochschule in Stockholm.

Historie:

Den Grundstein des Vermögens legte 1856 Kapitän André Oscar Wallenberg, der als 30-Jähriger die Seefahrt aufgab um als Geschäftsmann tätig zu werden. Inspiriert haben ihn die vielen aufstrebenden Länder, die er bereist hatte. Er gründete Stockholms Skandinaviska Enskilda Bank, kurz SEB. Zunächst finanzierte seine Bank Eisenbahnen und Brücken. Als die Konjunktur 1896 einbrach, wurden zahlreiche Kredite notleidend. Statt die Schuldner in die Insolvenz zu treiben, entschied der einstiege Kapitän, sich bei den strauchelnden Firmen zu engagieren. So ging die SEB etliche Beteiligungen ein, die 1916 in der Holding Investor AB gebündelt wurden.

Seither ist unter diesem Dach eine Perle herangereift. Das Prinzip erinnert an Börsenguru Warren Buffet, nur ist der Ansatz noch langfristiger. Die Haltedauer ist unbegrenzt, bei der Holding frönt man einer extremen Form von „Buy and Hold“. An ABB und Electrolux sind die Stockholmer seit 1925 respektive 1956 beteiligt. In Krisenzeiten wurden immer wieder Beteiligungen aufgebaut, oder aufgestockt. 1994 wurde EQT Partners AG gegründet. Die vor allem in Nordeuropa und Asien tätige Private Equity Company gehört zu 31 % der Holding. EQT verwaltet heute ein Beteiligungskapital von 38 Mrd. EUR und ist in 170 Firmen investiert.

Erklärtes Ziel der Investor AB ist, dass ihre Firmen die Konkurrenten auf den internationalen Märkten übertreffen. Dies wird als absolutes Erfolgserlebnis gesehen. In den letzten 25 Jahren erzielte die Aktie eine jährliche Performance im Schnitt von 10,96 %. Damit hat die Aktie den DAX um jährlich 6,50 % outperformt. Oder anders ausgedrückt in den letzten 25 Jahre hat der Anleger mit der Aktie 678 % verdient, der Anleger der im Dax investiert war erzielte lediglich einen Gesamtertrag von 135 % erzielt (siehe Performancevergleich unten).

(Quellen: Handelsblatt und börse online)

Die größten Beteiligungen

Unternehmen Anteile am Kapital Stimmrechtsanteil
Atlas Copco 16,9 % 22,3 %
ABB 10,7 % 10,7 %
SEB 20,8 % 20,8 %
AstraZeneca 4,1 % 4,1 %
Wärtsilä 17,7 % 17,7 %
Saab 30,0 % 39,5 %
Nasdaq, Inc. 11,6 % 11,6 %
Electrolux 15,5 % 30,0 %
Ericsson 6,6 % 22,2 %
Husqvarna AB 16,8 % 32,8 %

(Quelle: Wikipedia)

Amerikanischer Volatilitätsindex versus Europäischem – Vom Novum zurück zur Normalität

Erstmals seit Einführung der beiden Volatilitätsindizes nach neuer Berechnung (2004 bzw. 2005) notierte der amerikanische VIX dauerhaft signifikant höher als der europäische VSTOXX.

Von Mitte März bis Mitte Mai lag das amerikanische „Angstbarometer“ über seinem europäischen Pendant. Seitdem zeigen die beiden Schwankungsindikatoren wieder ihr altes, gewohntes Bild.

Als global agierendem Fonds war es dem Nordlux Strategie möglich, innerhalb beider Phasen das jeweils attraktivere Vola-Niveau zur Prämiengenerierung für seine Anleger zu nutzen.

Grundsätzlich gilt: Die Zeiten historisch niedriger Volatilität, mit Niveaus unterhalb der 10-Punkte-Grenze, scheinen für das Erste passé zu sein. Ob der „Normalzustand“ von Dauer ist, oder das Novum zur neuen Normalität wird, werden die nächsten Wochen zeigen.

 

Anleger können durch höhere Schwankungslevels profitieren

In verschiedener Hinsicht bot sich die Entwicklung der vergangenen Zeit für Investoren an:

Zum einen ermöglicht die höhere Volatilität in Europa höhere Sicherheitspuffer im Falle von Discount-Strategien (Short Puts), zum anderen sind bei einem höheren Schwankungsniveau naturgemäß höhere Prämien bei gleichen Strikepreisen vereinnahmbar. Beide Faktoren nutzte das Fondsmanagement des Nordlux Strategie bereits für die Anleger des Fonds – Insbesondere die Anstiege der Volatilität um den 29. Mai 2018. Aktuell notiert das Prämienvolumen des Fonds bei über 3 Prozent.

Bei Interesse erfahren Sie weitere Informationen gerne von Ihrem Berater.

Quelle: Eigene Darstellung | Daten: Bloomberg | Zeitraum: 1.1.2018 – 15.6.2018

Hinweis: Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Erstellt per 15.06.2018 von Benjamin Judith

Eine der bekanntesten Beteiligungsgesellschaften ist zweifelsohne Berkshire Hathaway

Mit ihr untrennbar verbunden: der Name Warren Buffett.

Durch seine Anlageentscheidungen wurde Buffet einer der erfolgreichsten Anleger unserer Zeit. Seine konstant hohen Renditen sowie seine mit Witz und Selbstironie präsentierten Jahresberichte brachten dem mittlerweile 87-Jährigen den Spitznamen „Orakel von Omaha“ ein.

Lesen Sie hier den ersten Teil einer mehrteiligen Informationsreihe über Beteiligungsgesellschaften…

Derzeitig hat Berkshire Hathaway neben etwa 45 Firmenbeteiligungen auch mehr als 60 Tochtergesellschaften. Zu den größten und bekanntesten Firmenbeteiligungen zählen:

Apple Inc. 21,27% *
Wells Fargo 12,66% *
Bank of America Corp. 10,77% *
Kraft Heinz Company 10,73% *
Coca-Cola Company 9,19% *
American Express Company 7,48% *

*%-Anteil des Portfolios, Stand per 31.03.2018, Quelle: warrenbuffettstockportfolio.com

Mittlerweile zählt Berkshire Hathaway zu den 20 größten Unternehmen der USA und zu einem der größten Steuerzahler des Landes.
Interessant ist, dass Buffet und sein Team, welches insgesamt nur ca. 25 Mitarbeiter umfasst, immer wieder auch nicht börsennotierte Gesellschaften in das Portfolio von Berkshire Hathaway aufnehmen. Dabei überlässt Berkshire Hathaway das operative Geschäft in der Regel dem Management der jeweiligen Firma.

Tochterunternehmen (Subsidiary Companies) von Berkshire Hathaway sind unter anderem:

General Re Rückversicherung Louis Motorcycle & Leisure Motorradzubehör
Duracell Batteriehersteller Precision Castparts Flugzeugzulieferer
Fruit of the Loom Textilhersteller GEICO Autoinsurance Autoversicherer

Quelle: Berkshire Hathaway

Weitere Informationen:

Geschichte von Berkshire Hathaway

Zur Person Warren Buffet

Quelle: Google, Stand: 04.06.2013 – 01.06.2018, in US-Dollar

Bitte beachten Sie, dass die frühere Wertentwicklung kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung ist.

Blockchain

Spätestens seit dem fulminanten Kursanstieg um mehrere 100 Prozent im vergangenen Jahr sind Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Ripple den Investoren auf der Suche nach alternativen Anlagemöglichkeiten bekannt.

Die Meinungen hierzu gehen weit auseinander: von Aussagen wie „Wertvolle Ersatzwährung in Zeiten zunehmender Geldvermehrung durch die großen Zentralbanken dieser Welt“ bis zu „Größte weltweite Spekulationsblase seit der Tulpenzwiebel im Jahr 1637“.

Wichtiger als die virtuelle Währung selbst ist aber der Blick auf die Technologie, welche hinter diesen Kryptowährungen steckt, die sogenannte „Blockchain-Technologie“.
Mit dieser bezeichnet man eine globale, dezentrale Datenbank, welche einzelne Transaktionsdaten speichert. So wie man bei einer Kette weitere Glieder anfügen kann, ist es möglich, die Blockchain beliebig um weitere Transaktionen und Datensätze zu erweitern. Jede Transaktion erhält eine eigene Transaktionsnummer und ist somit wiedererkennbar.

Für Unternehmen bietet die Blockchain somit den Vorteil, Datensätze schneller und präziser analysieren zu können. Ihre Produktpalette wird somit stärker auf die Kundenbedürfnisse fokussiert und Liefer- und Zahlungsverkehrsketten können optimiert werden.

Die Chancen stehen gut, dass nach dem Internet die Blockchain ein weiterer, wichtiger Meilenstein der digitalen Revolution sein wird.