Das Leid, das Russland über die Ukraine bringt, bewegt uns sehr. Nur ist an dieser Stelle nicht der Ort, um es zu thematisieren. Dafür bitten wir unsere Leser um Verständnis.

Der russische Angriff auf die Ukraine hat die westlichen Länder wie ein elektrischer Schlag getroffen. Die Schwierigkeiten, die es zu lösen gilt, sind nicht länger der faire Preis für ein Hähnchenfilet, Sternchen in der Schulgrammatik oder auch die Frage, wann die EZB die Leitzinsen anhebt, um eine milde Inflation in den Griff zu bekommen. Was zählt, ist Sicherheit in der Verteidigung und der Versorgung mit Energie und wichtigen Rohstoffen.

Der folgende Text basiert auf Veröffentlichungen von UBS, Citigroup, ECR und anderen Research-Anbietern, ergänzt und modifiziert durch eigene Schätzungen und Lagebeurteilungen. (Stand: 03.03.2022)

Die westlichen Demokratien sind sich nähergekommen und formulieren eine gemeinsame Antwort in drei zentralen Punkten:

  • keinen Krieg mit Russland
  • harte Wirtschaftssanktionen, auch um den Preis eigener Schwierigkeiten
  • Die NATO, diese „Hirntote“ (Präsident Macron am 7. November 2019) besinnt sich ihrer Stärke.

Um die größte Sorge vorab abzuräumen, lautet unsere Einschätzung, dass auf beiden Seiten verantwortliche Regierungen handeln. Man wird nicht wie 1914 schlafwandlerisch in einen Weltkrieg stolpern. Die historische Parallele zur heutigen Zeit ist die Sowjetunion von 1939. Damals fing Stalin einen Winterkrieg mit Finnland an. Nur so viel sei gesagt, dass die Ukraine mit Finnland als Vorbild gute Gründe hat, ihren Kampf zur Behauptung eines großen Teils des Staatsgebietes fortzusetzen.

Rohstoffe: teurer für länger

  • Die Preise für Öl, Gas und andere Rohstoffe sind gestiegen und werden längere Zeit teurer bleiben, als bisher angenommen wurde.
  • Die Inflation steigt in den USA auf 8.5 % p.a. und wird auch in Deutschland deutlich höher bleiben, als bisher erwartet.
  • Entspannung kommt erst in Sicht, wenn westliche Produzenten die Angebotslücken, welche die Wirtschaftssanktionen auf dem Weltmarkt verursachen, durch erhöhte Produktion schließen können. Bis es soweit ist, rechnen wir mit teuren Rohstoffpreisen.
  • Dagegen helfen zwei Maßnahmen, die beide unbequem sind: erstens weniger Privatkonsum (hier kann die Politik durch Rationierung den Erfolg erzwingen, aber die Wähler werden sehr unzufrieden sein) und zweitens durch günstige Rahmenbedingungen, um die Produktion zu steigern (das geht zulasten Klima- und Umweltschutz, sowie Steuergerechtigkeit).
  • Das bedeutet konkret Produktionssteigerungen von 9 % für Öl, 6 % für Gas und 18 % für Weizen, um die russischen Exporte auszugleichen. Diese Ziele können durch private Unternehmen vorwiegend in Nord- und Südamerika mit Sicherheit erreicht werden, doch es braucht Zeit.
  • Man kann einwenden, dass China als Abnehmer russischer Exporte einspringt und dadurch die Nachfrage nach Rohstoffen aus anderen Erdteilen entlastet, doch ist damit zu rechnen, dass Peking verhindern wird, in russische Abhängigkeiten zu geraten. Russland dürfte auf einem Teil seiner Rohstoffe sitzen bleiben, weil China nicht alles abnehmen wird. Dieser Teil fehlt dann auf dem Markt.
  • Aktienportfolios sollten auf diese Annahmen eingestellt werden, indem Rohstoffproduzenten und ihre Zulieferer übergewichtet werden.
  • Wir favorisieren weiterhin alternative Energien und neu Agrobusiness und Firmen aus dem Ölgeschäft.
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