Schwierigkeiten in der Beurteilung von Notmaßnahmen durch die Behörden gegen die COVID Pandemie

Die Analysten des Wertpapier-Research der Deutschen Bank haben Mitte Dezember einen sehr interessanten Beitrag zur Beurteilung der Deutschen Notmaßnahmen gegen die COVID Pandemie geschrieben. Als Finanzanalysten bedienen sie sich des Instrumentariums der Verhaltenswissenschaft, das wir aus dem Klassiker Thinking Fast and Slow von Wirtschaftsnobelpreisträger Professor Kahnemann kennen.

Die Grundidee von Kahnemann und seinen Kollegen ist jedem Anlageberater und Portfolio Manager geläufig: Der Mensch kennt zwei verschiedene Wege um an Probleme heranzugehen, nämlich ein schnelles, intuitives Erfassen des Problems mit Standardlösungen aus der Vergangenheit und ein langsameres, mühsames aber vertieftes Nachdenken, mit dem er zu neuen Lösungen vordringen kann.

Zudem untermauern die Analysten der Deutschen Bank ihre Studie durch statistische Auswertungen. Die Studie zeigt, zu welch bemerkenswerten Erkenntnissen eine Großbank kommen kann, denn sie hat Kenntnisse, Ressourcen und Fähigkeiten, die den Massenmedien abgehen. Die Massenmedien leben von Zuspitzung, Dramatisierung und Emotionen. Peter Sloterdijk, einer der profilierten Denker Deutschlands, bezeichnet Nachrichten auch trocken als „Aufregungsvorschläge“. Die Erkenntnisse der Finanzanalysten sind dagegen deutlich wertvoller und tiefergehender, wenn auch weniger unterhaltsam.

Wir fassen die Analyse für unsere Kunden kurz zusammen.

Für den Einzelnen ist es schwer, die Notmaßnahmen objektiv zu beurteilen, weil die Gefahr, die von COVID ausgeht, nicht unmittelbar fassbar ist. Die Risiken sind echt, aber unsichtbar. Zwischen einer Ansteckung und ihren Auswirkungen gibt es eine Zeitverzögerung. Nicht nur das eigene Verhalten, auch externe Effekte, beeinflussen die eigene Gesundheit. Und die Ausbreitung ist nicht linear, sondern – falls ungebremst – exponentiell. Durch diese Faktoren wird das Geschehen seit Anfang 2020 komplex. Denn COVID und die Notmaßnahmen folgen keinem einheitlichen Plan, sondern entwickeln sich inkonsistent, unter verschiedenen Annahmen und mit allen Fehlern und Korrekturen, die jedem staatlichen Handeln innewohnen. Die Meinungen der wissenschaftlichen Berater sind uneinheitlich oder verändern sich. Die Prognosen können weit auseinanderliegen und die wirkliche Gefährlichkeit des Virus ist zu Beginn der Pandemie unbekannt und erweist sich erst im Laufe derselben, wobei die Meinungen, aber auch das Virus, sich ändern können. Dies muss sogar so sein, wenn neue Erkenntnisse auftauchen.

Durch übertriebene Warnungen zu Beginn der Pandemie, durch das Verächtlichmachen derjenigen, die Zweifel an der Notwendigkeit von Notmaßnahmen äußern, durch das Ausgrenzen anderer Meinungen von der öffentlichen Diskussion entstand eine Voraussetzung für Verschwörungstheorien. Besser wäre es gewesen, der Meinungsbildung einen weiten und freien Raum zu geben, auch kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen und das Für und Wider auszudiskutieren.

Dass Deutschland gut – und im Vergleich mit Frankreich sogar sehr gut – durch die Krise gekommen ist, verdankt es seinem belastbaren Gesundheitssystem, seiner finanziellen Potenz und der Disziplin seiner Einwohner, sowie den Behörden, die insgesamt gut geführt haben, auch wenn in der Kommunikation schwere Fehler begangen wurden.

Professor Kahnemann erklärt, dass der Mensch je nach seiner Prägung mit guten Gründen zu unterschiedlichen Lösungen kommen kann, wenn er schnell und intuitiv überlegt. Gesunde, selbstbewusste Naturen schätzen ihr Risiko tiefer ein als solche, denen ihr Leben als fremdbestimmt erscheint. Hier gibt es kein richtig oder falsch, kein gut oder böse, sondern verschiedene Umstände und Ausgangslagen. Es gibt keine Regierungsverschwörung gegen das eigene Volk, sondern intuitives Denken führt dazu, dass ein Teil der Bevölkerung die verordneten Einschränkungen kritisch beurteilt und dazu auch jedes Recht hat.

Nicht alles was die Behörden anordnen oder von sich geben erweist sich im Nachhinein als richtig. Aber wer nachdenklich an die Sache herangeht, wird sich der Schwierigkeiten, die sich den Behörden stellen, bewusst und diese Einsicht sollte bei allen zu vorsichtigeren, abwägenderen Aussagen führen. In komplexen Lagen darf man nicht auf einfache Lösungen setzen, sondern muss sich mühsam und ehrlich an das Optimum herankämpfen. Wir fügen hinzu: wie auch bei der Konstruktion von Wertpapierportfolios.

Wir wünschen allen Lesern gute Gesundheit und ein erfolgreiches neues Jahr.

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